Mel Raabe im Interview mit Karla Paul


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„ICH LIEBE GEHEIMNISSE”

Interview aus MOKA 2-2019 (lange Version)

 

Die Bestsellerautorin Melanie Raabe engagiert sich in der Realität und in ihren Romanen für Toleranz und Diversität. Das ist nur einer von vielen Gründen, weshalb unsere Kolumnistin Karla Paul so gern mit ihr befreundet ist.

 

KARLA PAUL: Mel, weshalb hast du dich als Schriftstellerin für das Spannungsgenre entschieden, insbesondere für die in deinem Fall besonders hintergründigen, aber unblutigen Psychothriller?

 

MEL RAABE: Das war gar nicht so sehr eine bewusste Entscheidung, sondern eher eine organische Entwicklung. Meine ersten – unveröffentlicht gebliebenen – Gehversuche als Schriftstellerin waren ganz normale Romane. Erst nach und nach haben sich Spannungselemente in meine Arbeit eingeschlichen. Ich liebe Geheimnisse, und ich mag die Mittel der Spannung. Cliffhanger zum Beispiel. Oder überraschende Wendungen. Aktuell macht es mir großen Spaß, die Themen, die mich bewegen, so spannend wie möglich zu erzählen.

 

KARLA PAUL: Deine Heldinnen sind weiblich, passen schwer in Schubladen, handeln unbequem, stark und manchmal sogar unsympathisch. Wir wachsen beim Lesen mit ihnen mit. Wie kommen deine realistischen Frauendarstellungen ausserhalb gängiger Krimi-Klischees an, beim Verlag, beim Handel und vor allen Dingen bei den Leser*Innen?

 

„Ich interessiere mich für authentische, interessante,

facettenreiche Frauen”

 

MEL RAABE: Ich habe das Gefühl, die kommen richtig gut an, sei es beim Verlag, sei es beim Publikum, und das freut mich sehr. Ich interessiere mich für authentische, interessante, facettenreiche Frauen. Keine Frau, die ich kenne und mag, verhält sich immer gleich oder immer perfekt. Ich schon gar nicht. Ich mag Frauen mit eigenem Kopf und einer gewissen Integrität. So sind meine Freundinnen, so sind meine Heldinnen.

 

KARLA PAUL: Wer und/oder was inspiriert dich für deinen nächsten Fall?

 

MEL RAABE: Oh, so viele Dinge. Die Natur, insbesondere der Wald. Die Nacht, die Dunkelheit.

Die Freundschaften, die ich pflege – vor allem die, die schon fast so lange existieren, wie ich auf der Welt bin. Autobiografien von Künstlerinnen und Künstlern. Filme von David Fincher und Christopher Nolan. Erzählungen von Stephen King aus den 70ern. Und immer und immer wieder die Musik.

 

KARLA PAUL: Du bist als große Liebhaberin diverser Lektüre bekannt, postest regelmässig auf Instagram, was Du gerade liest. Wie grenzt du deine eigene Schreibe vom Einfluss dieser Literatur ab, wie bewahrst du dir trotzdem deinen eigenen Stil?

 

MEL RAABE: Es fällt mir tatsächlich sehr schwer zu lesen, wenn ich gerade selbst intensiv schreibe. Während solcher Phasen lese ich entweder gar nicht – was mir schwer fällt – oder ich wähle Lektüre, die sich in puncto Genre, Stil, Thematik usw. möglichst stark von dem unterscheidet, was ich gerade mache. Zum Glück liebe ich auch Sachbücher. Die gehen immer!

 

KARLA PAUL: Schreiben ist deine große Liebe und dank harter, jahrelanger Arbeit auch professionelle Berufung. Inwiefern unterscheidet sich die Autorin Mel Raabe 2019 von der Journalistin Mel Raabe 2009 - was würde dein Heute deinem Gestern gern mitgeben?

 

MEL RAABE: Ich glaube, wir unterscheiden uns gar nicht so sehr. Ich war 2009 sehr fleißig, sehr ehrgeizig. Privat sehr glücklich, mit einem tollen Umfeld – und beruflich mit einem ganz klaren, großen Ziel vor Augen. Daran hat sich erstaunlich wenig geändert. Klar ist seitdem viel passiert. Aber wenn ein Ziel erreicht ist, poppt doch sofort das nächste auf. Finde ich schön so! Meinem jüngeren Ich würde ich einfach sagen, dass jede Lebensphase ihre ganz eigene Magie hat, und dass man das alles unbedingt genießen sollte!

 

Worum geht es?

„Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine alte Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen.  Aber was ist damals wirklich passiert? Und kann Norah für Gerechtigkeit sorgen, ohne selbst zur Mörderin zu werden?


   Foto: Christian Faustus

Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren. Nach dem Studium arbeitete sie tagsüber als Journalistin - und schrieb nachts heimlich Bücher. 2015 erschien „Die Falle”, 2016 folgte „Die Wahrheit”. Melanie Raabes Romane werden in über 20 Ländern veröffentlicht. „Die Falle” war international eines der heißumkämpftesten Bücher der letzten Jahre, TriStar Pictures sicherte sich die Filmrechte. Melanie Raabe lebt und schreibt in Köln.

 


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