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IM GESPRÄCH MIT ANDREA JACOBI

Autorin der Kinderbuchserie „Kastanienallee 8“ aus dem Ueberreuter Verlag

von Enja Jans

 

 

Ein frischer Herbsttag. Im Café bei mir im Grindelhof sitzen wir wie immer draußen, vor uns eine dampfende Tasse Milchkaffee.... Andrea, wir haben fast gleichaltrige Kinder und kennen uns schon seit vielen Jahren – bisher warst du für mich aber nur Galeristin und Art Consulterin.

 

Ich bin neugierig, wie kommt es, dass du heute Kinderbücher schreibst?

Schon als junges Mädchen wollte ich Kinderbücher schreiben. Aber dann kam alles ganz anders. Anstelle eines Volontariates bei einer Zeitschrift erhielt ich zuerst einen Ausbildungsplatz in der Hamburger Kunstbuchhandlung Sautter & Lackmann ( wie ich auch. Nur drei Jahre später!) danach einen Studienplatz in der Kunstgeschichte und gleich darauf das Angebot eine Hamburger Galerie zu leiten. Ein gezielter Weg in die Welt der Kunst, auf dem kein Platz mehr für das Schreiben war.

 

Und dein ursprünglicher Wunsch geriet in Vergessenheit?

Nein! Ich arbeite bis heute mit großer Freude und Leidenschaft als Art Consulterin und Kunst-Coach. Aber mein Wunsch Kinderbücher zu schreiben blieb in all den Jahren erhalten. Ich war mir immer sehr sicher, dass ich irgendwann genügend Zeit dafür haben würde.

 

Wie bist du auf die Idee für die Figur Papay gekommen?

Als mein Sohn wenige Wochen alt war, ging ich mit ihm in Hamburg an der Alster spazieren. Es war Sommer und sehr heiß. Plötzlich lief vor mir eine ganz besondere Frau. Sie war etwas älter, trug ein knallenges, rotes Sommerkleid mit großen weißen Punkten und  goldene Pantoffeln mit Pfennigabsätzen. Ihre Haare waren wild auf dem Kopf zusammengeknotet. Versunken in meine Träume lief ich hinter der Frau her. Papaya Pitunella Pirelli war geboren. 

 

Das ist schon einige Jahre her.

Oh ja, mein Sohn ist in diesem Sommer 19 Jahre alt geworden.

 

Was hat Papay in den vergangenen 19 Jahren gemacht? 

Die Biografie von Papay lag wohlbehütet in einer Schublade und wartete darauf, dass ihre Zeit kommen würde. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren kaum eine Woche oder einen Monat, indem ich nicht an Papay gedacht habe. Neben meinem Kind, einem Fulltime-Job und allem anderen hatte ich nicht genügend Zeit für’s Schreiben, aber ich wusste immer, dass Papays Zeit kommen würde.

 

Und wann war es soweit?

Vor ca. vier Jahren. Ich wurde krank und konnte einige Monate nicht arbeiten. In dieser Hinsicht ein Geschenk in meinem Leben. So hatte ich jeden Tag Zeit und wagte mich an die ersten Geschichten von Papay. Kurz darauf wurde die Idee der Kastanienallee 8 geboren und mittlerweile sind die ersten drei Bände fertig.

 

Die Kastanienallee 8 ist also eine Kinderbuchserie? 

Ja, in der Kastanienallee 8 leben die Freundinnen Anna, Sophie, Zohra und Emma. Sie sind 8 Jahre alt, beste Freundinnen und haben alle einen unterschiedlichen kulturellen und sozialen Background. Annas Familie ist jüdisch und sie hat zwei sehr nervige kleine Brüder, die Zwillinge Max und Moritz. Sophie ist ein Einzelkind, ihre Eltern haben sich gerade getrennt und ihre Mutter arbeitet als Ärztin in einem Krankenhaus. Zohras Familie ist aus Afghanistan geflüchtet. Emma kommt aus einer heilen Familie, ihrem Vater gehört die Bäckerei Cornelius unten im Haus. Das Leben in der Kastanienallee ist sehr bunt und es gibt immer wieder neue Themen und Konflikte – in ihren Traumreisen mit Papay finden die Kinder dann immer eine Antwort auf ihre Fragen. 

 

Papay besucht die Kinder, die Fragen haben, in ihren Träumen? 

Genau, ein Kind, das keine Antwort auf seine Frage findet, bekommt in der Nacht Besuch von Papay. Gemeinsam machen sie eine Reise und erleben große Abenteuer, bei denen die Kinder eine Antwort auf ihre Frage finden. Und wenn sie dann am Morgen aufwachen, wissen sie wie es geht. 

 

Wo lebt Papay?

Papay lebt mit der ordnungsliebenden Kakapo-Dame Eulalia, dem klugen Kater Konrad und dem schönen Schwein Trudel in der Villa Papilla. Wenn ein Kind keine Antwort auf eine Frage findet, gerät die Villa Papilla in eine ungeheuerliche Unordnung! Die Dinge sortierten sich von selbst und finden von jetzt auf gleich einen neuen Platz. Nichts ist mehr dort, wo es hingehört, wo man es vermutet oder wo man es eben noch gesehen hat. Die Kleider liegen im Kühlschrank, das Brot im Bett, die Kochtöpfe in der Badewanne, die Spaghetti hängen auf der Wäscheleine und das Gemüse steckt in der Regenrinne. Und Papays Bett steht mitten auf der Blumenwiese im Garten. 

Wenn die Villa Papilla in diese ungeheuerliche Unordnung gerät, horcht Papay in die Welt, sucht nach dem Kind, das die Frage stellt und besucht es in seinen Träumen. Wie man sich vorstellen kann, lieben die Kinder es, Papay und ihre sprechenden Tiere in diesem fröhlichen Chaos der Villa Papilla zu besuchen. 

 

Hättest du dir als Kind auch eine Papay in der Villa Papilla gewünscht?

Und wie! Als ich neun Jahre alt war hatte ich Erstkommunion. Wochenlang hat mich die Frage beschäftigt, was ich beichten sollte. Ich war ein sehr schüchternes und liebes Kind, es gab weit und breit nichts, wofür ich mich schuldig fühlte. In dieser Situation hätte ich gerne Papay, Eulalia, Trudel und den klugen Kater Konrad in ihrem verwunschenen Garten besucht und hier eine Antwort auf meine Frage gefunden. Aber ich musste das Problem alleine lösen. Ich habe mir einen Streich ausgedacht, den ich sehr gerne mal gemacht hätte und habe dem Pastor eine Geschichte erzählt. Meine erste große Lüge.

 

Eulalia schimpft immer darüber, dass die Kinder die Villa Papilla in Unordnung bringen. Wie wichtig ist Ordnung für dich?

Mein großes Vorbild ist Papay. Sie ist hundertundtausend Jahre alt und sehr jung im Geist. Äußerlich ist bei Papay alles etwas unordentlich. Die Blumen in ihrem Garten wachsen wie und wo sie wollen und auch in der Villa Papilla ist immer alles ein wenig durcheinander. Eulalia schimpft über diese äußere Unordnung, doch Papay schert sich nicht darum. Ihr geht es um die innere Ordnung. Sie lebt den Kindern vor, dass es auf jede Frage eine Antwort gibt und für jedes Problem eine Lösung. Und siehe da, sobald eine Frage von einem Kind beantwortet ist, sobald ein Problem gelöst ist, ist es in der Villa Papilla wieder „pikobellosupergenialtippitoppi“ ordentlich.

 

Hast Du ein Vorbild beim Schreiben?

Ich verehre viele Kinderbuchautoren. Früher als Kind und in den Jahren, als ich meinem Sohn noch vorlesen durfte habe ich sehr viel gelesen. Und ich liebe es bis heute, Kinderbücher zu lesen. Auf der Liste meiner Lieblingsautoren stehen selbstverständlich Klassiker wie Astrid Lindgren, die ich für Ihre Fantasie verehre und Erich Kästner, dessen Humor und Sinn für Absurditäten großartig ist. Eine besondere Freude waren für uns in den vergangenen Jahren alle Bücher von Andreas Steinhöfel wie z.B. Rico, Oskar und die Tieferschatten und Victor Caspak und Yves Lanois mit ihrer wunderbaren Kurzhosengang. Diese Liste könnte ich noch ewig weiterführen. 

 

Danke Andrea, für das wunderbare Gespräch!


Foto: Enja Jans


 

Kastanienallee 8

Annas Geheimnis (Bd.1)

von Andrea Jacobi

Ab 7 Jahren

€ 9,95 / Ueberreuter Verlag

ISBN 978-3-7641-5089-1 


 

Kastanienallee 8

Sophie und Herr November (Bd.2)

von Andrea Jacobi

Ab 7 Jahren

€ 9,95 / Ueberreuter Verlag

ISBN 978-3-7641-5088-4




 

BAUCHGEFÜHLE  UND  SALZ  IM  DESSERT

Im Gespräch mit Stevan Paul

 

 

 

Ein kleiner Junge schleicht in die Küche seines Elternhauses. Der Teppich im Flur erzählt von einer Party und vielen Gästen. Er hat Hunger, die Eltern schlafen noch und er beschließt: ich koch´ mir was! Stevan Paul ist 8 Jahre alt. Götterspeise von Dr. Oetker, verfeinert mit den liebsten Zutaten eines Achtjährigen, wird an diesem Morgen sein erster kulinarischer Erfolg. Als seine Mutter die Küchentür öffnet steht dort nicht nur das Dessert, sondern auch ein Hauptgang: Spaghetti mit Tomatensoße.

 

Stevan, wer hat dich zum Kochen inspiriert?

„Meine Urgroßmutter war die letzte professionelle Köchin in meiner Familie, doch auch meine Großmütter haben gerne und gut gekocht. In ihren Küchen hatte ich einen Barhocker, von dem ich alles überschauen, vorschmecken und riechen konnte. Das hat mich schon als Kind sehr inspiriert.“

 

Für wen kochst du am liebsten?

 „Am liebsten koche ich jeden Abend besondere Kleinigkeiten für meine Frau. Das ist fast schon eine Tradition. Genau wie ihr Vorwurf, ich würde zu männlich kochen (lacht).“

 

Zu männlich?

„Zu stark gewürzt. 'Da schmeckt was vor' sagt sie immer. Oder sie kommt in die Küche und ruft: 'Riecht das hier schon wieder nach Bohnenkraut?'“

 

Dein Grundgeheimnis des Kochens?

„Die Balance zwischen süß, sauer und salzig. Ich gebe selbst an ein süßes Dessert noch etwas Salz.“

 

Wo gehst du in Hamburg essen wenn du nicht selber kochst?

„Ins Trific. Holzbrücke 7. Oliver Trific, Gründer und Chefkoch, ist ein Freund von mir. Doch auch wenn er das nicht wäre würde ich das Trific regelmäßig besuchen. Die Basis seiner Gerichte ist Deutsch-Französisch, aber unter Einfluss der Alpenküche: Österreich, Südtirol, Schweiz, All das führt er in einer unprätentiösen, wunderbaren Küche zusammen. Konstant lecker seit Jahren.“

 

Was würdest du uns im Bezug auf Ernährung raten?

„Fangt wieder an auf euren Bauch zu hören, er weiß ganz genau was ihr braucht. Jeder von uns ist ein eigener Organismus. Nicht für alle ist vegan gut, oder vegetarisch oder paleo. Belastet euch nicht mit Diäten, Superfoods oder Ernährungsphilosophien. Wenn der Bauch sagt: Heute Abend brauche ich eine Tüte Chips, eine Schokolade und zwar die ganze, dann ist das in Ordnung. Wenn er das jeden Abend sagt, sollte man aber natürlich die Beziehung zum Bauchgefühl überdenken (lacht), aber ansonsten ist und bleibt er der beste Ratgeber.“

 

Ein besonderes Erlebnis?

„Meine Zeit als Juror beim „Native Cooking Award“. Da brechen gestandene Köche ins dänische Unterholz und müssen auf offenem Feuer ein drei Gänge Menü zaubern. Da gibt es auch keinen Strom oder technische Hilfsmittel. Nur etwas Salz, wilde Früchte, Kräuter und Pflanzen. Der Award ist einmal im Jahr ein ganz besonderes Ereignis: Der Weg zum fertigen Gericht ist dort genauso ungewöhnlich wie das Resultat.“

 

Guckst du Kochfilme? Zum Beispiel „Kiss the Cook“ oder „No reservations“?

„Ja, ich bin süchtig nach allem, was vom kochen handelt. Entweder streame ich Kochfilme oder schaue abends nach der Arbeit auch mal das perfekte Dinner im Fernsehen. Für mich als Kochbuchautor ist das die beste Recherche. Beim regelmäßigen Gucken erfährt man viel über Foodtrends und wie sich der Geschmack der Leute verändert.“ 

 

Hörst du beim Kochen Musik?

Vielleicht italienische Opern wie Aaron Eckhart in „No reservations“?

„Nein, beim Kochen selbst ist mir nach Ruhe. Doch bei der Vorbereitung, beim Schnippeln, läuft immer Reggae. Den liebe ich einfach.“

 

Wie würdest du deine Rezepte beschreiben?

„Meine Gerichte sind einfach aber mit Twist. Vor allem die schnellen Teller sind immer sehr erfolgreich. Es ist keine Rocket Science, überrascht aber durch besondere Kombinationen.“

 

Wie stehst du zu Social Media? Wie stark nutzt du deine digitalen Kanäle?

„Mein Blog, Facebook und Co. gehören zu meinem Beruf. Auf nutriculinary.com

erzähle ich von meinen Reisen, neuen Entdeckungen und Rezepten. Ich finde die Möglichkeit im Netz Erfahrungen zu teilen wunderbar und ich schätze meine treuen Leser. Facebook ist für mich wie das Schild am Straßenrand auf dem steht: „Bei der nächsten Abzweigung geht es zum Gasthaus.“ Das Gasthaus ist mein Blog und serviert wird alles - von kulinarischen Gerichten, über Gedichte, Küchenmusik und Weinempfehlungen. Eben all das, was das Leben besser schmecken lässt. “

 

Was wäre deine Henkersmahlzeit?

„Wiener Schnitzel. Seit meinem sechsten Lebensjahr ein klarer Favorit.“

 

Du bist Sterne-Koch, Foodstylist, Blogger, App-Entwickler, Buchautor, („Monsieur, der Hummer und ich“, „Schlaraffenland“– beide Bücher sind im mairisch Verlag erschienen), Restauranttester und vieles mehr. Welche Zutat braucht man um erfolgreiche Kochbücher, Blogs oder Apps zu entwickeln?

„Sorgfalt ist die beste Grundlage für jedes Gericht und jedes Projekt!“

 

 

 

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, jetzt habe ich Hunger . . . 


Fotos: Daniela Haug / Brandstätter  Verlag


 

OPEN AIR – 

Das Festival- und Camping-Kochbuch von Stevan Paul 

29,90 € / Brandstätter

ISBN 978-3-85033-928-5

 




 

HARMONSICH IM GLEICHKLANG SCHWINGEN

Im Gespräch mit Annette Söhnlein & Elena Lustig

 

 

 

Annette Söhnlein und Elena Lustig unterrichten einzeln und gemeinsam Yoga in Berlin. Sie praktizieren Yoga seit 20 Jahren und sind beide „Anusara in-spired“ Yoga-Lehrerinnen. Seit 2011 haben sie im Rahmen gemeinsamer Seminare, eine aufeinander aufbauende Serie von Chakra-Yoga-Sequenzen entwickelt, die sie seitdem mit ihren Schülern ausüben.

 

Liebe Annette, liebe Elena, ihr habt zusammen ein Buch über Chakra-Yoga geschrieben. Was ist ein Chakra? Und was ist das Besondere an euerem Buch?

„Ein Chakra ist ein Energiezentrum, ein Kraftzentrum, und heißt übersetzt „Rad“. Wir sprechen von 7 Hauptchakras, die im Gleichklang miteinander schwingen sollten. Ist aber eins gestört, „haken” die anderen auch. Für uns gehörte der Begriff Chakra lange Zeit in die esoterische Ecke, beim Unterrichten merkten wir aber sehr schnell, dass Yoga für die Chakras eine sehr starke Wirkung hat. Zusammen mit der Fotografin Anne Smith, dem Grafiker Stephen Paris und der Konzept-Designerin Lisa Burzin haben wir ein sehr modernes Buch entwickelt.“ 

 

Was möchtet ihr mit Chakra-Yoga bewirken?

„Wir stellen Fragen wie zum Beispiel „Was gibt uns Sicherheit, Was macht uns Freude, Was wollen wir, Wen lieben wir, Wer hört uns zu, Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor, Was gibt unserem Leben einen Sinn“, die auf den ersten Blick nichts mit Yoga zu tun haben. Sie sind allgemein und betreffen jeden von uns. Chakra-Yoga kann die Grundlage für unsere innere Ausgeglichenheit sein, die wir selbst gestalten. Wir möchten dazu anregen, über sich selbst zu reflektieren, das Leben leichter und vielfältiger zu gestalten, authentisch zu leben. Yoga bedeutet, alle Bereiche des Lebens zusammen zubringen und nichts voneinander isoliert zu betrachten – ob es um Beziehungen, Essen, Kunsterleben oder allgemeine Inspiration geht. Fühlt man sich zerrissen oder uninspiriert und hat wenig Zeit, bieten wir schnelle und wirksame Übungen an: 5 Minuten, mitten im Alltag, auch ohne Yoga-Matte. Es funktioniert! Ganz einfach!“

 

 

Fotos: Anne Smith


 

INNEN.AUSSEN

Das Yoga-Chakra-Buch

29,95 €  /  Theseus 

ISBN 978-3-95883-016-5

Erscheint im Herbst 2016

 




 

KNIETZSCHE  ERKLÄRT  DIE  WELT!

Im Gespräch mit Anja von Kampen

 

Anja von Kampen ist Filmproduzentin und Autorin in Berlin. Sie arbeitet am liebsten 

für  Kunden, die sie auf ferne Reisen schicken, oder stellt Kinderbücher im KiKA vor, die sie begeistern. „Knietzsche isst” gibt es beim Neuen Umschau Buchverlag, ihr erster Roman erscheint im August bei mixtvision.

 

 

Liebe Anja von Kampen, wer ist Knietzsche und warum ist der kleinste Philosoph der Welt ein Junge?

„Ich wuchs mit zwei älteren Brüdern auf und habe mich nie gefragt, wer ist hier der Junge, wer das Mädchen – eigentlich war ich sogar viel wilder als sie. Meiner Erfahrung nach ist das Rollenverständnis bei Kindern bis etwa zum 10. Lebensjahr kaum vorhanden. Mädchen kommen zum Glück gar nicht auf die Idee, dass sie irgendetwas nicht können könnten … (lacht). Ich möchte weg von Vorurteilen, Rollenbildern, Normen und den Kindern zeigen, wie man sich eine eigenständige Meinung bildet. Knietzsche ist schlau, aber nicht belehrend, ein ganz normales Kind mit Stärken und Schwächen. Die Figur soll Kinder darin bestärken, dass kein Gedanke bescheuert ist, und es sogar Spaß macht, bestimmten Themen wie Freundschaft, Gewissen, Angst, Gerechtigkeit, Glück, Freiheit  oder Ernährung tiefer auf den Grund zu gehen.“ 

 

Es gibt unglaublich viele Fragen, die sich rund ums Essen drehen. Hat Knietzsche die Antworten?

„Eine Gegenfrage: Wenn die Mutter sagt: „Iss nicht so viele Chips, du wirst zu dick.” – was sollen Kinder mit dieser Information anfangen? Kinder brauchen Unterstützung, um sich  unabhängig von Halbwahrheiten und ungenauen Aussagen zu machen. Von Knietzsche erfahren sie alles, was sie über faires, vegetarisches, biologisches und vor allem leckeres Essen wissen müssen. Was macht Zucker mit unserem Körper? Wie viel Wasser sollten wir am Tag trinken und warum? Wie funktioniert unsere Verdauung? Die passenden Lieblings-Rezepte gibt’s zum Nachkochen direkt dazu (ja, auch Pommes mit Ketchup!).“ 

 

Und wie sieht Ihr Leben aus?

„Mit 10 Jahren hatte ich einen Masterplan, wie mein Leben aussehen sollte – jetzt habe ich keinen mehr. Ich lasse mich im Job und privat von Neugier und Spaß leiten, 

liebe das, was ich tue, und reise viel.“


 

KNIETZSCHE ISST

Anja von Kampen

ab 8 Jahren

19,95 €  /  Neuer Umschau Buchverlag

ISBN 978-3-86528-807-3

 





 

BEI  DEN  KÖNIGINNEN  DER  STADT

Im Gespräch mit Paul 

 

 

Ihr Zuhause ist Hamburg. Sie arbeiten rund um die Uhr, sind dabei bestens organisiert und haben ein Faible für hohe Qualität. Was nach anstrengendem Karriere-Hamsterrad klingt, ist gern geteilter Alltag. Zumindest für Bienen. MOKA-Kolumnist Paul Heilig zu Besuch bei einem ungewöhnlichen Großstadt-Genuss-Unternehmen.

 

 

 

 

 

 

Hinter der unscheinbaren dunklen Pforte eröffnet sich ein urbanes Paradies. Im Hinterhof überrascht eine weißgetünchte Schmiede aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von bunten Sträuchern und feinen Farnen, im Gebäude ist zeitlos schöner Purismus zu Hause. Hier residieren die Golden Girls, das Unternehmen von Ann und Julia Bönig. Die Zahl der Mitarbeiter variiert zwischen 30.000 bis 150.000. Ganz genau kennt Julia die Belegschaftsgröße nicht. Die sei je nach Saison recht unterschiedlich, sagt sie: "Im Sommer können es bis zu 50.000 sein, im Winter unter 10.000. Pro Volk." Julia und Ann sind Imkerinnen im Nebenberuf. Eigentlich veredeln sie in der restaurierten Schmiede mit ihrer Firma Fotomaki Werbeaufnahmen oder Bilder für Magazine.

 

Doch vor einigen Jahren entdeckten Ann und Julia die Bienen für sich. Oder das, was Bienen für das Leben auf der Erde leisten. Nobelpreisträger Albert Einstein soll es gewesen sein, der auf die globale Schlüsselrolle dieser sammelnden Vielflieger hinwies: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.”

 

2013 ließen sich die beiden Agentur-Chefinnen zu Imkerinnen ausbilden, schufen auf dem Dach Platz für aktuell drei Bienenköniginnen und ihre Völker. Benannt nach Hamburger Stadtteilen oder Orten des Umlands: „Wir haben das Volk St. Pauli, das Volk Ottensen und das Volk Pinneberg. St. Pauli ist sehr entspannt, Pinneberg etwas zickig und Ottensen irgendwo dazwischen."

 

 

Noch ist die Volksstimmung bei Golden Girls Honey, so der offizielle Name der kleinen Honig-Manufaktur, eher ruhig. Doch zur Obstblüte ab dem Frühjahr und vor allem während der Schwarmzeit im Sommer werden Bildschirm und Schreibtisch regelmäßig gegen Bienenbesen und Schutzkleidung getauscht. Und das sehr gerne, sagt Julia: „In einem Job, wo man meist den ganzen Tag vor dem Rechner verbringt, ist es ein schöner Ausgleich.” Schwarmrhythmus gegen Alltagshektik. Kontinuität statt Trend. Inklusive wertvoller Einsichten.

 

 

 

 

 

 

Würden alle Arbeitsbienen in einen unbefristeten Streik treten – was ihnen völlig fremd ist – wären viele Ladenregale des modernen Alltagsmenschen bald leer. Ohne Bestäubung etwa keine Äpfel oder Tomaten, keine Avocados oder Maracujas, keine Vanille, kein Kaffee, kein Kakao und viele andere Lebens- und Genussmittel. Gleichzeitig sind Bienen fliegende Apotheken, mit Vitaminen oder heilenden Substanzen wie Propolis an Bord. Als hocheffektive Wirtschaftsmacht bescheren sie zudem durch ihre Bestäubungsleistung allein Deutschland einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 2,7 Milliarden Euro. Jedes Jahr.

 

 

Denkbar ungünstig, wenn immer mehr dieser Multitalente verschwinden. Bienen existieren seit 40 Millionen Jahren, kamen mit ihrem bis heute unveränderten Staatensystem hervorragend durch die Zeit. Doch in einem Bruchteil Erdgeschichte hat sich das dramatisch verändert. Über die Hälfte aller europäischen Bienenvölker starben in den vergangenen Wintern. Durch Milben oder Viren. Und den Menschen, der ihnen mit Pestiziden, Raubbau und Industrie Lebensräume und Nahrungsmittel streitig macht. Da haben Bienen Glück, wenn sie bei Menschen wie Ann und Julia landen dürfen. Es ist nicht allein das Arbeiten mit und für die Insekten, was die beiden Hamburgerinnen schätzen. Sondern auch eine andere Betrachtung der Dinge: „Bienen waren schon immer für das Leben wichtig. Doch das Wissen darüber verbreitet sich zu wenig oder verschwindet. Manchmal kommt es sogar vor, dass wir gefragt werden, ob Honig tatsächlich von Bienen stammt."

 

 

 

 

 

 

Dagegen tun sie was. Nicht nur mit feiner Streichware oder wohldesignten Kerzen aus eigener Produktion. Backstage bei Bienens gibt es auch - Seminare für alle, die live hinter die Imkerkulisse schauen möchten. Dazu kulinarische Events oder Patenschaften inklusive Honig vom eigenen Volk. Und wer attraktive Lande-Locations schaffen möchte, findet bei den Golden Girls auch einen speziellen Saaten-Mix für Garten oder Balkon. Daraus wachsen Bienen-Favoriten und gleichzeitig Kräuter für die Küche. Julias Tipps für Schönheits- und Genussbewusste: „Eine Gesichtsmaske aus reinem Honig sorgt für weiche Haut. In den Kühlschrank gehört Honig eher nicht, er mag Zimmertemperatur. Und im Tee sorgt er zwar für guten Geschmack, bei über 35 Grad gehen jedoch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Purer Genuss ist besser."  

 

Zeit zum Lesen hat man bei den Golden Girls bei aller Arbeit auch. Gerade ist es die Biografie von Thomas McNamee über die Küchen-Revolutionärin Alice Waters und ihr 1971 im kalifornischen Berkley gegründetes legendäres Restaurant Chez Panisse. Waters kämpft für Slow Food, die Genussvielfalt natürlicher Ernährung und gegen die Auswüchse der Lebensmittelindustrie. „Im Oktober trafen wir sie in Mailand. Ihre Sichtweise war sehr inspirierend", sagt Julia. Dann geht es weiter. Zurück zu den digitalen Bilderwelten und später aufs Dach zu den Bienen. Danke für den Besuch. Lang leben die Königinnen der Stadt.   

 

 

 

 


 

Mehr Informationen zu den

Golden Girls findet Ihr unter

››  www.goldengirlshoney.com    

 


Mit den bienenfreundlichen Pflanzen- und Kräuter Saatgutmischungen "Golden Girls Seeds" für den Garten oder Balkon kann man selber aktiv beim Schutz der Bienen mitmachen!

 



 MOKA – BUCH – TIPPS


 

Bienen Basics

Hilfreiche Tipps und Infos zur Bienenhaltung auf kleinem Raum, zum biologischen Imkern und Porträts mit robusten und pflegeleichten Pflanzen, die alle Bienen lieben. So werden Garten oder Balkon zum Bienenparadies! 

 

16,99 Euro / GU Verlag

ISBN 978-3833847387

 

 

 


 

Imkern als Hobby

Wissenswertes über die Bienenhaltung, von der Anschaffung bis zur Pflege, die Honiggewinnung und alle damit verbundenen Tätigkeiten für angehende Hobby-Imker.

 

12,99 Euro / Kosmos Verlag

ISBN 978-3-440-14947-8

 

 

 


 

Bienenwachs-Werkstatt

Wunderbare Ideensammlung einer höchst kreativen Imkerin mit hervorragenden Step-by-Step-Anleitungen. 

 

17,95 Euro / Landwirtschaftsvlg Münster 

ISBN 978-3784354064 

 

 

 

 


 

Die Weisheit der Biene

Unterhaltsam-ironische Betrachtungen eines Bienen-Freaks und Imker-Einsteigers.

 

17,99 Euro / Riemann Verlag

ISBN 978-3570501801